Ziele für eine nachhaltige Entwicklung: das Klima

 

Die UNO verdeutlicht den Punkt “Klima” als eines der nachhaltigen Entwicklungsziele folgendermaßen:

“Der Klimawandel beeinflusst derzeit jedes Land auf jedem Kontinent. Er erschüttert die nationalen Wirtschaften und prägt jedes Leben. Einen hohen Preis haben die Menschen, Gesellschaften und Länder bereits gegenwärtig zu zahlen und morgen noch mehr.  Die meteorologischen Modelle ändern sich, die Meeresspiegel steigen, die meteorologischen Ereignisse werden immer extremer und die Treibgasemissionen stehen auf den höchsten Niveaus der Geschichte. Ohne ein Eingreifen werden die Durchschnittstemperaturen der weltweiten Erdoberfläche möglicherweise in diesem Jahrhundert die 3 Grad Celsius übersteigen. Die ärmsten und schutzbedürftigsten Personen leiden am meisten darunter”.

 

Werfen wir einen Blick auf das Potenzial der Abschwächung des Klimawandels und der Anpassung von landwirtschaftlichen Modellen.

Der Umgang mit den Nährstoffen und den Parasiten, der bei der biologischen Landwirtschaft angewandt wird, kann eine wertvolle Stellung bei der Abschwächung des Klimawandels einnehmen (Scialabba & Müller-Lindenlauf, 2010).

Die Verordnung untersagt die Nutzung von Synthesen wie Mineralien und chemischen Pestiziden, deren Herstellung eine große Menge an fossilen Brennstoffen erfordert. Die biologische Herstellung spart bedeutende Mengen an Kohlenstoffdioxidemissionen (Khanal, 2009). Nach Einschätzung der Forscher lag der Energieverbrauch für die Herstellung von Stickstoffdünger im Jahr 2010 bei 0,4 bis 0,6 Gigatonnen an Kohlenstoffdioxid. Dies entspricht 10% des direkten globalen landwirtschaftlichen Ausstoßes entspricht und 1% des Gesamtausstoßes des durch den Menschen verursachten Treibgases (Scialabba & Müller-Lindenlauf, 2010). Diese Emissionen werden bei der biologischen Landwirtschaft größtenteils vermieden.

Wissenschaftliche Studien und Meta-Analysen schließen, dass die biologische Landwirtschaft unter energetischen Gesichtspunkten effizienter ist und weniger Energie verbraucht als die konventionelle Herstellung (Reganold & Wachter, 2016).

Ein weiterer Grund für die Fähigkeit der biologischen Landwirtschaft, bei der Abschwächung des Klimawandels zu helfen, liegt im Erdboden (Scialabba & Müller-Lindenlauf, 2010). Der FAO-Bericht über den organischen Kohlenstoff des Erdbodens verdeutlicht die Wichtigkeit von gesunden Erdböden. Die Erdböden sind ein wichtiger Kohlenstoff-Speicher: In ihnen ist mehr Kohlenstoff enthalten als in der Erdatmosphäre und der gesamten Vegetation der Erde zusammen (FAO, 2017). Das Verfahren zur Aufnahme von Kohlenstoff des Erdbodens, der fähig ist, CO2 mit biologischen, chemischen oder physischen Prozessen langfristig zu speichern, kann eine wichtige Rolle bei der Reduktion der Treibgasemission spielen.

Die Forschung ist sich einig bei der konstanten Betonung, dass die mit biologischen Techniken bearbeiteten Erdböden mehr Kohlenstoff aufnehmen, als die konventionellen Vergleichsobjekte (Scialabba & Müller-Lindenlauf, 2010; Ziesemer, 2007).

 

Zwei Dinge müssen beachtet werden: Die Nährstoffe und das Pestizidrisiko.

Die Nachfrage nach biologischen Produkten ist teilweise durch den Eindruck der Verbraucher bedingt, die sie für gesünder und nährstoffreicher halten als die konventionellen Produkte. Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich noch uneinig, ob die Nährstoffunterschiede zwischen biologischen und konventionellen Nahrungsmitteln als signifikant zu erachten sind. Reganold & Wachter, (2016) haben beispielsweise festgestellt, dass 12 von 15 Studien und Meta-Analysen der wissenschaftlichen Literatur beweisen, dass biologische Produkte ernährungswissenschaftlich von Vorteil sind und höhere Gehalte an Antioxidantien, Vitamin C, Omega-3-Fettsäuren und dem Verhältnis von Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren aufweisen. Gleichzeitig wurde bei einer Studie, bei der 343 wissenschaftliche Publikationen analysiert wurden, in biologischen Produkten eine durchschnittlich höhere Konzentrationen an Antioxidantien, ein geringerer Gehalt an Schwermetallen (darunter ein 4 Mal geringerer Gehalt an Kadmium) und natürlich Rückstände von Pestiziden in geringerem Umfang ermittelt (Barański et al., 2014).

Die Bedeutsamkeit dieser Unterschiede wird, vom ernährungswissenschaftlichen Standpunkt aus, von der Wissenschaft noch immer debattiert. Sicher ist, dass keine der Studien die biologischen Lebensmittel als ungesünder eingestuft hat.

Kommen wir nun zum Gebrauch von synthetischen Pestiziden (die beim biologischen Anbau nicht genutzt werden): Dass sie schädigend für die Gesundheit des Verbrauchers sind und/oder des Landwirts und der ländlichen Bevölkerung, die in der Nähe der Felder lebt, ist ein allgemein akzeptierter Fakt.

Aktuelle Entdeckungen (von Ehrenstein et al., 2019) verweisen auf das Risiko eines Anstiegs von Formen von Autismus im Kindesalter, bedingt durch eine pränatale Exposition gegenüber Umweltpestiziden, anders als bei Kindern, die in dem selben Landwirtschaftsbereich geboren wurden. Auf der Seite veröffentlichen wir zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die bestätigten, wie die biologische Landwirtschaft dazu beitragen kann, dieses nachhaltige Entwicklungsziel zu erreichen.

 

Der Verlust von Biodiversität und die globale Zerstörung des Erdbodens schreiten mit nie dagewesenen Zahlen voran und verursachen schwerwiegende Beeinträchtigungen für die Ökosysteme und die natürliche Nahrungskette (IPBES, 2018). 2018 hat der Living Planet Report den katastrophalen Verfall von Tierbeständen in einer Zeitspanne von lediglich 40 Jahren ermittelt und festgestellt, dass sich die Population an Wirbeltieren durchschnittlich um 60% verringert hat (WWF, 2018). Zahlreiche Arbeiten verdeutlichen die Abnahme des Bestands von  Bestäubern (Potts et al., 2010).  Diese globale Tendenz kann einen Verlust des Bestäubungsvorgangs bewirken. Die Bestäubung ist sowohl für die Wildpflanzen als auch für die biologische Landwirtschaft von wesentlicher Bedeutung und ihr Verlust hat schwerwiegende wirtschaftliche und ökologische Folgen. 75% der Gesamtheit der für die menschliche Ernährung angebauten Spezies erfordert eine Bestäubung durch Insekten, dies mit einem wirtschaftlichen Wert, der auf 153 Milliarden Dollar, 9,5% des wirtschaftlichen Gesamtwerts der weltweiten Landwirtschaft geschätzt wird (Gallai, Salles, Settele e Vaissière, 2009).

Unter den wesentlichen Drivern dieses Verfalls der Biodiversität befinden sich der Landwirt und seine Techniken: Die landwirtschaftliche Intensivierung der letzten Jahrzehnte führte zu einer Zunahme des Einsatzes von chemischen und synthetischen Produkten, beispielsweise Insektiziden und Herbiziden, mit einem dadurch bedingten Verfall des Habitats der landwirtschaftlichen Gebiete (Potts et al., 2010). Die Insektizide wirken direkt, indem sie den Tod durch Vergiftung bewirken, die Herbizide jedoch zeigen schädliche Wirkung langfristig, indem sie den Reichtum an pflanzlichen Ressourcen verringern und die Verfügbarkeit der Biodiversität beeinträchtigen (Gabriel & Tscharntke, 2007; Ollerton, Erenler, Edwards e Crockett, 2014; Powney et al. , 2019).

Ein Paar neuer Langzeitstudien, eine des französischen Nationalmuseums für Naturgeschichte und eine des CNRS, haben innerhalb der letzten siebzehn Jahre (Geffroy, 2018), in Frankreich eine Verringerung der Population der Landvögel um ein Drittel nachgewiesen. Eine deutsche Studie hat in den letzten 27 Jahren die besorgniserregende Zerstörung von 75% der Gesamtbiomasse von fliegenden Insekten festgestellt (Hallmann et al., 2017). Die Studien stimmen über die Tatsache überein, dass Pestizide die hauptsächlichen Driver bei dieser Sachlage darstellen (das Totalherbizid Glyphosat und Insektizide, bei denen Neonikotinoide verwendet werden, vernichten Pflanzen und Insekten und verursachen eine Nahrungsmittelknappheit für die Vögel).

 

Zu den gleichen Resultaten gelangt der Bericht der UNO bezüglich des Rechts auf Ernährung: Der kontinuierliche und exzessive Gebrauch von Pestiziden verursacht die Kontamination des Erdbodens und der Wasserquellen und einen schwerwiegenden Verlust von Biodiversität. Er zerstört Populationen von nützlichen Insekten, den natürlichen Feinden der Parasiten, und reduziert den Nährwert der Nahrungsmittel (UNO, 2017). Wenn wir jedoch von Biodiversität sprechen, sprechen wir auch von dem, was sich unter unseren Füßen befindet: 25% der Biodiversität unseres Planeten steckt im Erdboden. Die FAO bestätigt, dass die intensive Landwirtschaft den Erdboden in vielen Ländern ärmer gemacht hat. Daher unterstützt die Organisation die Techniken der nachhaltigen Landwirtschaft, unter denen die biologische Landwirtschaft die bedeutendste ist.