Wohlergehen der Tiere

Bei der biologischen Herstellung ist die Tierhaltung ohne Erdboden strengstens untersagt.

Die EU-Verordnung, die jeden Aspekt der biologischen Herstellung regelt, lässt den Lebensbedingungen der Tiere besondere Aufmerksamkeit zuteil werden. Den Tieren muss der freie Zugang zu den Weiden gewährleistet werden (natürlich unter der Voraussetzung, dass die meteorologischen Konditionen dies zulassen: Es macht keinen Sinn, Kühe auf ein schneebedecktes Feld zu schicken oder Hühner zu zwingen, im Regen zu scharren), die Möglichkeit, sich im Schatten aufzuhalten und einen bedachten Unterschlupf zu finden. Die Beleuchtung muss durch Tageslicht gegeben sein (und das Licht nachts ausgeschaltet werden!) und ein Platz, an dem die Tiere außerhalb des Stalls Auslauf haben, muss zur Verfügung stehen.

Für jede Spezies ist ein Mindestraum vorgesehen, der zur Verfügung gestellt werden muss. Einer Milchkuh beispielsweise muss ein Stallplatz von 6 qm ermöglicht werden, mit einem festen, strohbedeckten Untergrund, zusätzlich ein den Stall ergänzendes, eingezäuntes Gebiet von 4,5 qm und ein Platz zum freien Weiden. Bei der biologischen Tierhaltung dürfen auf jedem zur Verfügung stehenden Hektar (was in etwa der Dimension eines Fußballfelds entspricht) nicht mehr als zwei Ochsen stehen.

Nicht masochistisch bedingt, sondern dadurch, dass sie sehr verschiedene Bedürfnisse und Verhaltensmuster haben, ist der für Stiere vorgesehene Platz deutlich größer (nicht weniger als 10 qm im Stall und 30 qm im umzäunten Freigehege, zusätzlich zum Platz zum freien Weiden). Eine Sau, die ihre Ferkel säugt, hat das “Recht” auf 7,5 qm im bedachten Stall und 2,5 qm im unbedachten Gehege. Es versteht sich von selbst, dass Hühner und Hähne niemals einen Stall gesehen haben und frei im pflanzenbewachsenen Gelände scharren dürfen, in dem es ausreichende Schattenplätze und eine angemessene Anzahl an Tränken gibt.

Die Fütterung erfolgt mit Nahrungsmitteln, die in Entsprechung mit der Verordnung zur biologischen Herstellung erzeugt werden. Sie basiert auf grobem, frischem oder trockenem Futter, ergänzt mit Getreide (Gerste, Mais) und weiteren pflanzlichen Futtermitteln (Soja, Luzerne), vollständig biologisch und frei von GVO.  

Generell stellt der Züchter rustikale und widerstandsfähige Rassen in den Stall. Die bei der konventionellen Zucht meistverbreiteten Rassen geben wesentlich mehr Milch, beziehungsweise gewinnen deutlich schneller an Gewicht, was es ermöglicht, das Tier, jedoch nur mit sehr rigiden und beschleunigten Zuchtverfahren, schneller in den Handel zu bringen. Dabei entspricht die Ernährung der Tiere nicht dem physiologischen Bedarf der Spezies und die Zuchtdichte ist deutlich größer, was die Anwendung von pharmazeutischen Behandlungen nötig macht. Die Tiere können sich bei der biologischen Zucht frei bewegen und weiden, sie erleiden demgemäß nicht den Stress, der durch überfüllte Ställe verursacht wird und brauchen keine präventiven medizinischen Behandlungen (untersagt ist die Prophylaxe mit Antibiotika und anderen medizinischen Mitteln, natürlich mit Ausnahme der vorgeschriebenen Impfungen zum Schutz des Tieres und des Verbrauchers). Beim seltenen Auftreten von Krankheiten werden Heilmittel aus der Phytotherapie und Homöopathie zur Anwendung gebraucht. Nur wenn sich diese als nicht ausreichend herausstellen, wird von tierärztlich gestatteter Medizin Gebrauch gemacht, jedoch unter Beachtung der nötigen Karenzzeit (einer Zeit, in der Eier, Milch oder Fleisch nicht verwendet werden dürfen), die doppelt so lang ist, wie die gesetzlich für die konventionelle Zucht geregelte Zeit.